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Sauna-Etikette: 15 ungeschriebene Regeln

Vom Find My Sauna-Team· Aktualisiert · 7 Min. Lesezeit
SoleBad Cannstatt, Stuttgart
SoleBad Cannstatt, Stuttgart. Beim Aufguss verteilt der Saunameister die heiße Luft; alle Gäste sitzen auf ihren Handtüchern.

Kaum eine Saunaregel steht an der Wand. Stammgäste lernen sie durch Beobachten, Neue oft durch einen vielsagenden Blick. Hier sind 15 Regeln, die in den meisten öffentlichen Saunen gelten – mit ihren Gründen und den Orten, an denen sie anders sind.

Die kurze Antwort

Dusche vor dem Saunagang, trockne dich ab und setze oder lege dich so auf ein Handtuch, dass keine nackte Haut das Holz berührt. Sprich leise, lass das Handy im Spind und starre niemanden an. Frag, bevor du Wasser auf die Steine gießt, und geh während eines Aufgusses nicht hinein oder hinaus – außer wenn es dir nicht gut geht. Die Kleidungsvorschriften unterscheiden sich nach Land; lies die Hausordnung. Im Zweifel orientiere dich an den Stammgästen.

Vor dem Saunagang

1. Zuerst duschen. Alle sitzen dicht beieinander auf denselben Holzbänken. Wasche deshalb den Alltagsschmutz ab, bevor du dich setzt. In Japan ist das die wichtigste Regel überhaupt; in Deutschland fällt es auf, wenn du direkt von der Umkleide in die Hitze gehst.

2. Nach dem Duschen abtrocknen. Das überrascht manche. Nasse Haut beginnt langsamer zu schwitzen. Deutsche Saunaratgeber empfehlen deshalb, sich vor dem ersten Gang trocken zu reiben. So bleiben auch keine Wasserpfützen auf den Bänken.

3. Die Kleidungsregel an der Tür lesen. Manche Saunen sind textilfrei, andere verlangen Badekleidung, und einige bieten beide Varianten an verschiedenen Tagen. Wer die Regel übersieht, fällt als Neuling schnell auf. Einzelheiten findest du unter Was trägt man in der Sauna?.

4. Das Handy im Spind lassen. Hitze schadet Akkus, aber der wichtigere Grund ist Vertrauen. In einem Raum voller Menschen im Handtuch oder ganz ohne Kleidung wirkt ein Handy wie eine Kamera. Viele Spas verbieten es im Saunabereich vollständig.

Fünf Menschen sitzen auf Handtüchern auf Holzbänken in einer Sauna
Pfaff Wellness Sauna auf der Waldau, Stuttgart. Alle sitzen auf einem Handtuch, und niemand stört sich daran, eine Bank zu teilen.

In der heißen Kabine

5. Das Handtuch gehört unter den ganzen Körper. Schweiß zieht ins Holz, auf dem danach jemand anderes sitzt. Wenn du dich hinlegst, muss das Handtuch auch unter Füßen und Rücken reichen.

6. Die Tür schnell öffnen und schließen. Jede Sekunde mit offener Tür lässt Wärme hinaus und kalte Luft hinein. Auf der obersten Bank spürt man das zuerst.

7. Leise sprechen. In den meisten Anlagen ist ein ruhiges Gespräch in Ordnung. Lautes Reden – besonders über Arbeit – passt nicht. In Finnland spricht man in der Sauna oft ungezwungener als draußen, aber sie ist trotzdem keine Kneipe.

8. Vor dem Aufgießen fragen. Schon eine Schöpfkelle Wasser kann den Raum für ein oder zwei Minuten deutlich heißer machen, und nicht alle möchten das. Frage in einer gemeinsam genutzten Sauna zuerst die anderen. In vielen Studiosaunen darf überhaupt kein Wasser auf den Ofen, weil er dafür nicht ausgelegt ist. Achte auf das Schild.

9. Nur so viel Platz belegen, wie du brauchst. Wenn der Raum halb leer ist, kannst du ausgestreckt auf der oberen Bank liegen. Wird es voll, setz dich auf und mach Platz.

10. Niemanden anstarren. Schau auf Gesichter, den Ofen oder die Wand. Gerade in textilfreien Saunen können Menschen entspannen, weil sie darauf vertrauen, nicht begafft zu werden.

Ein Mann gießt Wasser auf den Saunaofen, während andere auf den Bänken liegen
Revierpark Vonderort, Essen. In einer gemeinsamen Sauna stimmst du den Aufguss mit den anderen ab oder überlässt ihn dem Personal.

Während eines Aufgusses

Ein Aufguss ist ein fester Termin, wie er in deutschen, österreichischen, Schweizer und niederländischen Spas üblich ist. Ein Saunameister gießt duftendes Wasser auf die Steine und verteilt die heiße Luft mit einem Handtuch. Das kann bis zu etwa zehn Minuten dauern.

11. Vor Beginn Platz nehmen und bis zum Ende bleiben. Wer währenddessen die Tür öffnet, lässt Dampf entweichen und stört die anderen. Wird es zu heiß, setz dich auf eine tiefere Bank. Falls du dich unwohl fühlst, geh sofort hinaus; das nimmt dir niemand übel. Im deutschsprachigen Raum ist man während des Aufgusses meist still und klatscht oft am Ende.

12. Keine eigenen Öle hinzugeben. In öffentlichen Saunen kümmert sich das Personal um Düfte. Manche Menschen reagieren empfindlich auf starke Öle; unvorsichtig aufgegossen können sie zudem ein Brandrisiko sein. Nach den Richtlinien der British Sauna Society dürfen Gäste keine eigenen Öle hinzugeben. Mehr dazu steht unter Ätherische Öle in der Sauna.

Zwischen den Gängen

13. Vor dem Tauchbecken abspülen. Eine kurze kalte Dusche wäscht den Schweiß ab. So bleibt das Becken für die nächsten Gäste sauber.

14. Im Ruheraum leise sein. In großen Spas sind Ruheräume oft Stillezonen. Lies, döse oder schau an die Decke. Reserviere keine Liege mit deinem Handtuch, um dann zwei Stunden zu verschwinden.

15. Das Handtuch mitnehmen. Verlasse die Bank, wie du sie vorgefunden hast – ohne Spuren, abgesehen von etwas Wärme.

Unterschiede nach Ländern

  • Finnland. Die Sauna gilt als ruhiger, fast heiliger Ort. Als die UNESCO die finnische Saunakultur 2020 in ihre Kulturerbeliste aufnahm, beschrieb sie die Sauna als „Kirche der Natur“. Auf etwa 5,5 Millionen Menschen kommen 3,3 Millionen Saunen; die meisten Finnen lernen die Umgangsformen zu Hause.
  • Deutschland, Österreich und deutschsprachige Schweiz. Meist textilfrei und gemischt, mit streng beachteter Handtuchregel. Aufgusszeiten stehen auf einer Tafel. In der Schweiz wird tendenziell etwas mehr geredet als in Deutschland.
  • Niederlande und Flandern. Ebenfalls überwiegend textilfrei und gemischt. Manche Spas reservieren Zeiten nur für Frauen oder für Badekleidung.
  • Großbritannien, Irland und Nordamerika. In gemischten Saunen ist Badekleidung üblich. In Großbritannien sind getrennte Saunen häufig textilfrei. In Fitnessstudios stehen die Saunaregeln meist auf einem Schild an der Tür: Lies es.
  • Japan. Wasche dich zuerst gründlich an den Sitzduschen und halte dein kleines Handtuch aus dem Becken. Den Rest erklärt unser Ratgeber zur Onsen-Etikette.

Auch für Nacktheit gibt es ungeschriebene Regeln. Lies Geht man nackt in die Sauna?

Wenn dir ein Fehler passiert

Wahrscheinlich passiert dir einmal einer. Vielleicht deutet jemand auf deinen Badeanzug oder auf das nackte Holz unter deinem Bein. Entschuldige dich kurz, ändere es und sauniere weiter. Stammgäste ärgern sich selten über Anfänger, die sich Mühe geben. Ärgerlich finden sie es, wenn jemand eine erklärte Regel ignoriert. Beim ersten Besuch hilft dir unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung durch den gesamten Ablauf.

Wo du es ausprobieren kannst

Große Spas mit veröffentlichtem Aufgussplan eignen sich gut zum Lernen: Dort gibt es viele Stammgäste, an denen du dich orientieren kannst. Einige Beispiele:

Sauna in deiner Nähe finden

Häufige Fragen

Darf man in der Sauna reden?

In den meisten Saunen ja, aber leise und kurz. Viele Spas erwarten während eines Aufgusses und in Ruheräumen Stille.

Muss man vor der Sauna duschen?

Ja. Das wird fast überall erwartet. In Japan und Deutschland gilt das Auslassen als deutlicher Verstoß gegen die Umgangsformen. Trockne dich danach ab, damit du schneller schwitzt.

Ist es unhöflich, Wasser auf die Saunasteine zu gießen?

Nicht, wenn du vorher fragst. Prüfe in einer gemeinsam genutzten Sauna, ob es jemanden stört. In Studiosaunen achte auf Hinweise: Manche Öfen vertragen kein Wasser.

Warum sitzt man in der Sauna auf einem Handtuch?

Damit der Schweiß ins Handtuch statt in die Holzbank gelangt, auf der danach jemand anderes sitzt.

Darf ich während eines Aufgusses hinausgehen?

Wenn du dich unwohl fühlst, geh sofort. Sonst warte bis zum Ende, denn durch eine offene Tür entweicht die Wärme für alle.