Infrarotsauna und Abnehmen: Was stimmt wirklich?
Hunderte Kalorien verbrennen, bis zu 600 pro Sitzung, während du entspannt sitzt: Dieses Versprechen steht auf manchen Speisekarten von Infrarotstudios und Websites für Heimkabinen. Es klingt präzise und wissenschaftlich. Das ist es nicht. Woher die Zahl stammt, erklärt auch, warum.
Die kurze Antwort
Eine Infrarotsauna verbrennt keine nennenswerten Mengen Körperfett. Die hohen Kalorienangaben gehen mindestens auf einen Leserbrief in einer medizinischen Fachzeitschrift von 1981 zurück. Darin wurde berechnet, wie viel Energie zum Verdampfen von Schweiß nötig ist. Das ist nicht dasselbe wie die Kalorien, die dein Körper verbrennt. Wenige Monate später nannte ein anderer Arzt die Behauptung „höchst zweifelhaft“. Dein Herz arbeitet in der Wärme stärker, aber das Kilogramm, das du während einer Sitzung verlieren kannst, ist Wasser. Sobald du trinkst, kommt es zurück. Indirekt kann Infrarot beim Abnehmen helfen, wenn Erholung und eine regelmäßige Routine dadurch leichter fallen.
Hier geht es um Behauptungen speziell zur Infrarotsauna. Zum Thema Sauna und Gewicht allgemein lies Hilft Sauna beim Abnehmen?
Welche Behauptungen dir begegnen
In der Werbung für Infrarotsaunen tauchen einige Aussagen immer wieder auf:
- Eine Sitzung verbrenne zwischen 300 und 600 Kalorien.
- In der Kabine zu sitzen sei wie ein Workout ohne Bewegung.
- Infrarot lasse Fett schmelzen oder schwitze Fett und Schadstoffe aus.
- Infrarot erwärme dich von innen und wirke deshalb besser als eine normale Sauna.
Die letzte Aussage lässt sich leicht einordnen. Ferninfrarot wird in der äußeren Hautschicht aufgenommen. Von dort gelangt die Wärme über das Blut in den übrigen Körper, wie in jedem heißen Raum. Die Kalorienzahlen brauchen etwas mehr Erklärung.
Woher die Zahlen stammen
Die älteste Quelle für diese Zahlen, die wir finden konnten, ist ein Leserbrief von 1981 im Journal of the American Medical Association. Der US-Militärarzt Ward Dean schrieb, das Ausschwitzen von 500 g in einer Sauna benötige fast 300 Kilokalorien. Er vermutete, regelmäßiges Saunieren könne das Herz ähnlich trainieren wie Sport.
Es war ein Leserbrief, keine Studie. Anfang 1982 widersprach ein anderer Arzt, A. J. Searle, in derselben Zeitschrift und nannte die Behauptung „höchst zweifelhaft“. Sein Argument war einfach: Menschen in heißem Klima schwitzen täglich mehrere Liter. Wenn jeder halbe Liter 300 Kalorien verbrennen würde, müssten sie viel mehr essen als Menschen in kühleren Regionen. Das ist, wie er feststellte, nicht der Fall. Er bezweifelte außerdem, dass stilles Sitzen das Herz so trainiert wie Bewegung.
Verdoppelt man die Schweißmenge, ergeben dieselben Rechenschritte ungefähr 580 Kilokalorien. Das liegt nahe an den heute oft genannten 600.
Warum die Rechnung nicht aufgeht
Die 300 stammen aus der Physik. Wasser zu verdampfen erfordert Energie, etwa 0,58 Kilokalorien pro Gramm. Multipliziert mit 500 g Schweiß ergibt das ungefähr 290. Dabei gibt es mehrere Probleme:
- Die Wärme kommt größtenteils aus der Sauna. In einer heißen Kabine gelangt Wärme von Heizkörpern und Luft in deinen Körper. Durch Schwitzen wirst du sie wieder los. Die Energie zum Verdampfen des Schweißes stammt überwiegend aus dem Strom der Sauna, nicht aus deinem Körperfett.
- Nicht jeder Schweißtropfen verdunstet. Viel Schweiß tropft ab oder wird vom Handtuch aufgesogen. Dabei wird gar keine Verdunstungswärme abgeführt.
- Kalorien verbrennt dein Stoffwechsel. In der Wärme steigt der Verbrauch ein wenig, weil dein Herz stärker arbeitet. Zusätzlich zum ruhigen Sitzen ist der Anstieg aber klein.
Was in der Kabine tatsächlich passiert
Eine kleine Studie der Cardiff Metropolitan University, die der Hersteller der verwendeten Kabine online veröffentlichte, zeigt, wie eine heiße Sitzung ablaufen kann. Zwölf gesunde Erwachsene saßen 45 Minuten lang in einer Ferninfrarotkabine bei etwa 65 °C (149 °F). Ihre Herzfrequenz stieg von 74 auf 153 Schläge pro Minute. Jede Person verlor etwa ein Kilogramm Körpergewicht, fast vollständig als Schweiß. Das Volumen ihres Blutplasmas sank um etwa 12 % und war 30 Minuten später wieder nahezu normal.
Eine Herzfrequenz von 150 klingt nach Laufen, erfüllt aber nicht dieselbe Aufgabe. In der Hitze schlägt das Herz vor allem schneller, um Blut zur Haut zu transportieren und den Körper zu kühlen. Es versorgt keine arbeitenden Muskeln wie beim Sport. Und das Kilogramm weniger auf der Waage ist Wasser, das du ersetzen musst.
Was die Forschung zeigt
Wir konnten keine gut durchgeführte Studie finden, die belegt, dass Infrarotsitzungen allein Körperfett reduzieren. Die Forschung zu Infrarotsaunen ist meist klein und kurz. Sie untersuchte vor allem Entspannung, Erholung nach dem Training und in Japan eine ärztlich begleitete Wärmetherapie für Herzpatienten.
Die stärksten Langzeitdaten zur Sauna allgemein stammen dagegen aus Finnland und betreffen die Herzgesundheit, nicht das Gewicht. Mehr über mögliche Wirkungen findest du unter Vorteile der Infrarotsauna, mehr über das angebliche „Ausschwitzen von Schadstoffen“ unter Sauna und Entgiftung.
Wobei Infrarot helfen kann
Eine Infrarotsitzung verbrennt kein Fett in nennenswerter Menge. Sie kann dir aber helfen, an wirksamen Gewohnheiten dranzubleiben:
- Erholung. In einer kleinen finnischen Studie von 2015 schienen sich Männer nach einem Ausdauertraining mit 30 Minuten in einer Ferninfrarotsauna besser zu erholen. Wer sich weniger erschöpft fühlt, geht eher zum nächsten Training.
- Eine angenehme Routine. Ein fester Saunatermin nach dem Fitnessstudio ist für manche ein Anreiz, weiterzumachen.
- Abschalten. Stress und wenig Schlaf können gesunde Ernährung erschweren. Eine halbe Stunde ruhige Wärme hilft vielen beim Entspannen.
Wiege dich an einem normalen Morgen und nicht unmittelbar nach einer Sitzung. Miss deinen Fortschritt nicht am Wert direkt nach der Sauna.
Wer vorsichtig sein sollte
Nutze eine Sauna nie, um schnell Gewicht auszuschwitzen, etwa vor dem Wiegen im Sport. Rascher Flüssigkeitsverlust kann Schwindel, Krämpfe und Hitzeerschöpfung auslösen. Trink vorher und nachher, geh weder hungrig noch nach Alkoholkonsum hinein und sprich zuerst mit einem Arzt, wenn du schwanger bist, eine Herzerkrankung, Diabetes oder eine Nierenerkrankung hast oder Medikamente einnimmst, die Blutdruck oder Flüssigkeitshaushalt beeinflussen, etwa Diuretika.
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung.
Wo du eine Infrarotsauna ausprobieren kannst
Find My Sauna verzeichnet 877 Orte mit Infrarotsauna. In diesen Städten gibt es die meisten:
Clear Mind Studio Fremantle
Perth · Private Infrarotkabinen
Sona Rooms
Melbourne · Infrarot und Warm-kalt-Wechsel
Real Deal Wellness
San Diego · Private Infraroträume
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Kalorien verbrennt eine Infrarotsauna?
Etwas mehr als stilles Sitzen, weil dein Herz stärker arbeitet. Die Behauptung von 300–600 Kalorien beruht auf einer Rechnung zur Verdunstung von Schweiß, nicht auf einer Messung deines Kalorienverbrauchs.
Verbrennt eine Infrarotsauna Fett?
Nein, jedenfalls keine nennenswerte Menge. Dein Körper kühlt sich durch Schwitzen ab, nicht durch Fettverbrennung.
Warum wiege ich nach der Infrarotsauna weniger?
Du hast Wasser als Schweiß verloren, oft zwischen einem halben und einem Kilogramm. Sobald du trinkst, kehrt das Gewicht zurück.
Ist Infrarot zum Abnehmen besser als eine normale Sauna?
Nein. Keine der beiden Saunen ist ein Mittel zum Abnehmen. Infrarot ist milder; manche integrieren es deshalb leichter in ihre Routine.
Entfernt Schwitzen in der Infrarotsauna Schadstoffe?
Schweiß besteht fast nur aus Wasser und Salz. Leber und Nieren übernehmen die Ausscheidung; Schwitzen trägt nur wenig dazu bei.