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Saunakultur weltweit

Finnische Sauna: Tradition, löyly und Ablauf

Vom Find My Sauna-Team· Aktualisiert · 7 Min. Lesezeit
Kaupinojan sauna, Tampere
Kaupinojan sauna, Tampere. Eine holzbeheizte öffentliche Sauna am Näsijärvi; das Eisloch bleibt den ganzen Winter offen.

In Finnland gibt es etwa 3,3 Millionen Saunen für 5,5 Millionen Menschen. Für die meisten Finnen gehört ein Saunabesuch ganz selbstverständlich zur Woche. Die Gewohnheiten dahinter sind einfach und alt. Wer sie kennt, versteht Saunen überall auf der Welt ein Stück besser.

Die kurze Antwort

Eine finnische Sauna ist ein Holzraum, der auf etwa 80–90 °C (176–194 °F) erhitzt wird. Wasser auf den heißen Steinen erzeugt eine Dampfwelle namens löyly. Du duschst zuerst, setzt dich auf ein kleines Handtuch, schwitzt 10–15 Minuten, kühlst dich an der frischen Luft, in kaltem Wasser oder in einem See ab, ruhst dich aus und wiederholst das zwei- oder dreimal. In Finnland sauniert man zu Hause und in getrennten Saunen meist nackt, in gemischten öffentlichen Saunen dagegen mit Badekleidung. Seit 2020 steht die finnische Saunakultur auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.

Was eine Sauna finnisch macht

Die Grundausstattung hat sich seit Jahrhunderten kaum verändert: ein kleiner Holzraum, ein mit Steinen bedeckter Ofen (kiuas), erhöhte Bänke und ein Wassereimer mit Schöpfkelle. Die Luft ist heiß und recht trocken, bis jemand Wasser auf die Steine gießt. Üblich sind 80–90 °C (176–194 °F), manche Saunen sind heißer. Unser Ratgeber zur Saunatemperatur erklärt, warum die obere Bank so viel heißer wirkt als die untere.

Finnisch ist weniger der Raum als die Gewohnheit. Die UNESCO beschreibt die Sauna in ihrem Eintrag von 2020 als Ort, an dem Körper und Geist gereinigt werden, traditionell als heiliger Raum, eine „Kirche der Natur“. Im Alltag heißt das vor allem Ruhe. Man spricht leise oder gar nicht, niemand will sich hervortun und niemand misst die Zeit der anderen.

Holzsauna bei Kerzenlicht mit Birkenquast in einem Eimer
Sauna Hermanni, Helsinki. Ein Birkenquast weicht in einem Eimer auf der obersten Bank ein.

Eine kurze Geschichte

Die ersten finnischen Saunen waren Rauchsaunen: Blockhäuser mit Steinofen, aber ohne Schornstein. Stundenlang brannte das Feuer, der Rauch füllte den Raum und zog langsam ab. Nachdem das Feuer erloschen und die Luft klar war, gaben die rußgeschwärzten Wände eine weiche, gleichmäßige Wärme ab. Einige sind noch heute in Betrieb. Unser Ratgeber zur Rauchsauna erklärt ihre Funktionsweise.

Nach Angaben der Finnischen Saunagesellschaft bekamen Saunen erst vor einigen Jahrhunderten einen Schornstein, der den Rauch ableitete. Elektroöfen kamen noch später und erleichterten den Einbau einer Sauna in Wohnungen. Die UNESCO nennt als heutige Formen Elektro-, Holz-, Rauch- und Infrarotsaunen und hält keine davon für grundsätzlich authentischer als die anderen.

Löyly: der Dampf

Löyly ist der Dampf, der aufsteigt, wenn Wasser auf die heißen Steine trifft, und die Wärmewelle, die kurz darauf zu den Bänken hinabrollt. Finnen verwenden dafür nicht ihr gewöhnliches Wort für Dampf. Löyly ist ein altes Wort, das ursprünglich Geist oder Atem bedeutete. Ein guter löyly ist weich und anhaltend, nie stechend.

Eine oder zwei Schöpfkellen reichen. Achte darauf, wie die Menschen in Ofennähe es machen. Wenn du die Kelle hältst, frage höflich „Saako heittää löylyä?“ – darf ich einen Aufguss machen? – oder sieh dich zumindest um, bevor du gießt. In Finnland übernehmen die Badegäste den Aufguss selbst. Anders ist das in deutschen Saunen, wo gewöhnlich ein Saunameister dafür zuständig ist.

Die vihta

Eine vihta, in Ostfinnland vasta genannt, ist ein Bündel belaubter Birkenzweige. In Wasser eingeweicht riecht es nach frischer Birke und wird verwendet, um die Haut in der Wärme leicht zu beklopfen und abzustreifen. Das fühlt sich angenehm an, verteilt die Wärme über den Körper und erfüllt den Raum mit Duft. Birkenzweige werden um die Mittsommerzeit geschnitten, wenn die Blätter widerstandsfähig genug sind. Für den Winter trocknet oder friert man die Quaste ein. Unser Ratgeber zum Saunieren mit Birkenquasten erklärt Herstellung und Gebrauch.

Frage in einer öffentlichen Sauna nach, bevor du die Quaste verwendest, wenn die Bank voll ist. Blätter verteilen sich überall; prüfe daher zuerst die Hausordnung.

Öffentliche und private Saunen

Die meisten Finnen nutzen eine Sauna zu Hause, in ihrem Wohnhaus oder am Sommerhaus. Laut UNESCO verschwanden traditionelle öffentliche Stadtsaunen nach den 1950er-Jahren fast vollständig, weil immer mehr Wohnungen eine eigene Sauna bekamen. Einige alte Anlagen überlebten. Die Kotiharjun sauna im Helsinkier Stadtteil Kallio ist seit 1928 geöffnet und wird mit großen Holzöfen beheizt.

In den vergangenen Jahren kamen neue öffentliche Saunen hinzu, oft am Meer oder an einem See und vielfach betrieben von Winterschwimmvereinen oder als Saunarestaurants. Sie sind meist gemischt, deshalb trägt man Badekleidung. Ältere Saunen in Wohnvierteln haben eher getrennte Bereiche für Männer und Frauen, in denen unbekleidet sauniert wird.

Verschneites Seeufer mit einer Leiter ins Wasser
Halkoniemen sauna, Tampere. An vielen Saunen am See bleiben Leiter und Eisloch den ganzen Winter zugänglich.

Verhaltensregeln

  • Vorher duschen. Das wird in jeder öffentlichen Sauna erwartet.
  • Auf einem Handtuch oder einer kleinen Sitzunterlage sitzen. Bring eine Unterlage mit oder leihe sie aus.
  • Nackt oder mit Badekleidung: Richte dich nach dem Ort. In getrennten Saunen sauniert man meist unbekleidet. Gemischte Saunen verlangen meist Badekleidung. In den eigenen Saunen der Finnischen Saunagesellschaft sind Badeanzüge aus Hygienegründen verboten. Unser Ratgeber Was trägt man in der Sauna? erklärt die Unterschiede.
  • Bleib gelassen. Sprich leise und mach aus der Hitze keinen Wettbewerb. Die Saunagesellschaft verbietet Hitzewettkämpfe ausdrücklich.
  • Beim Aufgießen nicht über den Ofen beugen und eine vorhandene Ofenklappe wieder schließen.
  • Keine Handys. Niemand möchte leicht bekleidet fotografiert werden.

So läuft ein Saunabesuch ab

  1. Duschen und abtrocknen. Trockene Haut beginnt schneller zu schwitzen.
  2. Erster Gang: 8–12 Minuten. Wenn du neu bist, beginne auf einer unteren Bank. Gieße etwas löyly auf, sobald dir warm ist.
  3. Abkühlen. Geh hinaus, dusche kalt oder schwimme im See oder Meer. Im Winter tauchen Finnen in ein Eisloch, ein avanto.
  4. Ungefähr so lange ausruhen wie sauniert wurde. Sitz draußen, trink Wasser und lass deinen Puls zur Ruhe kommen.
  5. Zwei- oder dreimal wiederholen. Wenn du eine vihta hast, verwende sie im zweiten oder dritten Gang.
  6. Zum Schluss waschen und länger ausruhen. Trink ausreichend Wasser und nimm dir eine halbe Stunde Zeit, bevor du wieder in die Kälte gehst.

Zeitangaben findest du unter Wie lange in der Sauna bleiben?. Bei einer Herzerkrankung solltest du das Kaltwasserbecken auslassen, bis du ärztlich nachgefragt hast.

Wo du eine finnische Sauna ausprobieren kannst

Find My Sauna führt 3,593 Orte mit finnischer Sauna auf. In diesen Städten gibt es die meisten:

Häufige Fragen

Worin unterscheidet sich eine finnische Sauna von anderen Saunen?

Sie ist heiß und recht trocken, bis Wasser auf die Steine gegossen wird und löyly entsteht. Die Badegäste bestimmen den Dampf meist selbst. Der Ablauf heißt aufwärmen, abkühlen, ausruhen und wiederholen.

Wie heiß ist eine finnische Sauna?

Meist 80–90 °C (176–194 °F), manchmal heißer. Die oberste Bank ist stets am heißesten.

Gehen Finnen nackt in die Sauna?

Ja, zu Hause und in getrennten öffentlichen Saunen. In gemischten öffentlichen Saunen ist meist Badekleidung vorgeschrieben.

Wie viele Saunen gibt es in Finnland?

Laut UNESCO-Eintrag zur finnischen Saunakultur etwa 3,3 Millionen bei rund 5,5 Millionen Einwohnern.

Was bedeutet löyly?

Es bezeichnet den Dampf und die Wärme, die entstehen, wenn Wasser auf die heißen Steine trifft. Das alte Wort bedeutete ursprünglich Geist oder Atem.